In der Einleitung und an ein paar anderen Stellen habe ich diesen Spruch schon zitiert, der mir so oft um die Ohren geknallt wurde/wird. Ich möchte trotzdem - oder gerade deshalb - näher darauf eingehen. Vielleicht kommen ja auch ein paar von den Menschen auf meine Seite, die die Trauer eines Menschen "nur um ein Tier" nicht nachvollziehen können...

Trauer nur um ein TierAus eigener schmerzlicher Erfahrung weiß ich aber, dass viele Menschen mit der Trauer eines Anderen nur schwer umgehen können. In einer Welt, in der auch der Tod von Menschen noch das Tabu-Thema Nummer 1 ist über das "man" nicht spricht, in der Alte und Kranke nicht mehr zuhause gepflegt sondern überwiegend in Krankenhäuser und Altenheime abgeschoben werden, sind die Menschen mit der Trauer über ein Tier - vor allem wenn sie länger als ein paar Tage dauert - oft überfordert.

Manch einer weiß nicht, wieviel Liebe und Wärme es in einer Tier-Mensch-Beziehung geben kann. Manch einer kann sich nicht einfühlen, in die Bedeutung die das Tier für den Anderen hat und sieht in dessen Trauer nur eine Herabsetzung des Menschen. Selbst im engsten Familien- und Freundeskreis wird es Menschen geben, die eine intensive Trauer um ein Tier - oder auch um einen Menschen - nicht nachvollziehen können und für den die Themen Tiertrauer, Katzentrauer, Hundetrauer etc. lieber tabu sind, als offen damit umzugehen. Oder die Angehörigen versuchen zu helfen und wissen nicht wie. In ihrer Hilflosigkeit verletzen sie den Trauernden vielleicht mehr, als ihm eine Stütze zu sein, mit Sätzen wie "es war doch nur ein Tier", "nun reiße dich doch zusammen, das Leben muss doch weitergehen", "es gibt doch so viele, hol dir doch ein neues Tier" und ähnliche mehr oder weniger hilfreiche Ratschlägen - wobei eben Ratschläge häufig auch nur als Schläge empfunden werden können, was auch das Wort schon ausdrückt.

Verständnis und ToleranzIst es wirklich wahr, dass ein Mensch den Tod seines Tieres und langjährigen Hausgenossen nicht, oder wenn dann nicht länger als ein paar Tage betrauern sollte? Muss es ein Tabuthema sein? Ist es wirklich wahr, dass Tiere keine eigene Persönlichkeit besitzen und deshalb beliebig austauschbar sind? Sollte darf man sich deshalb um deren Tod keine weiteren Gedanken machen? Ist es wirklich so einfach, sich ein neues Tier zu holen ("gibt ja so viele") und dann "ist alles wieder gut"? Wer hat das Recht, das zu beurteilen oder zu entscheiden, wenn nicht der Betroffene selbst? Ist es fair, einem trauernden Menschen seine Gefühle absprechen zu wollen und ihn in Schubladen zu stecken, ihn abzuwerten, nur weil er anders denkt und fühlt, als man selbst?

bedingungslose AkzeptanzAuch wenn es vielleicht für viele noch viel schlimmer ist, ein Kind oder einen langjährigen Lebensgefährten zu verlieren, so kann und sollte von außen nie ein Urteil darüber gefällt werden, ob und wie viel Schmerz der Tod eines Tieres im Betroffenen auslösen darf. Leider passiert in unserer Gesellschaft aber genau das tagtäglich. Es ist sinnlos, ein Leid mit dem anderen zu vergleichen! Die Tiefe der Trauer wird nicht bestimmt von "demselben Blut in den Adern", also durch irgendwelche Zusammenhänge im Ahnenbaum (Verwandtschaft), sondern von der Tiefe der Liebe und der Bindung, die bestanden hat. Und die hängt wiederum mehr vom Umfang gegenseitiger bedingungsloser Akzeptanz und gemeinsam verbrachter Zeit sowie von gemeinsamen Erlebnissen ab, als davon ob es Mensch oder Tier war.

In unserer heutigen, hektischen, besitz- und leistungsorientierten Welt haben die Menschen aber immer weniger Zeit füreinander und für gemeinsame Unternehmungen. Gefühlsbekundungen sind wenig üblich und erwünscht. 'Stark-sein' und 'Funktionieren' ist die Devise, Platz und Verständnis für Sentimentalitäten gibt es wenig. Gefühle und SentimentalitätenImmer weniger Menschen haben oder nehmen sich Zeit für tiefere menschliche Bindungen - oder sie haben Angst vor erneuter Enttäuschung. Wirklich enge, erfüllende Beziehungen innerhalb der Familie oder echte Freundschaften werden immer seltener, die Einsamkeit vieler Menschen wächst. Ein Tier ist aber immer da, Äußerlichkeiten wie 'Schönheit' und 'Prestige' sind ihm egal. Ein Tier schenkt dem Menschen, was er bei seinesgleichen oft nicht findet: viel Zeit, Nähe und bedingungslose Liebe.

Und so entwickeln tierliebe und vor allem auch alleinstehende, einsame bzw. in schwierigen Familienverhältnissen lebende Menschen oftmals eine innige Beziehung zu ihrem Tier, das für sie eine unverwechselbare und nicht austauschbare Persönlichkeit geworden ist. Und das ist nicht "krank", sondern ganz normal. Ich finde es eher unnormal, wenn ein Mensch nicht in der Lage ist, ein Gefühl der Liebe zu einem Gefährten zu entwickeln, der sein Leben mit ihm teilt und immer für ihn da ist... Natürlich ist es nicht sooo gut, wenn ein Mensch sich ausschließlich an Tiere bindet und zwischenmenschliche Kontakte darüber vernachlässigt. Aber erstens wird es manchen Personengruppen, die anders sind als andere (alt, körperliche Gebrechen, weniger hübsch aussehen etc.) nicht immer so leicht gemacht, Anschluss zu finden und zweitens ist es nicht immer noch besser, jemand hat eine enge Bindung an ein Tier, als gar keine?

Leere, EinsamkeitUnd daher ist es nur natürlich und nachvollziehbar, dass der Tod eines Tieres in bestimmten Situationen genauso betrauert wird, wie der eines Menschen. Der Tod des Tieres hinterlässt eine große Lücke und verändert das Leben seines "verwaisten Dosenöffners" ja tatsächlich von einem Tag auf den anderen. Gerade alleinstehende, einsame Menschen belastet die plötzliche Leere der Wohnung sehr stark. Und deshalb kann und wird - vor allem bei aus welchem Grund auch immer einsamen Menschen - der Tod eines Tieres und der sich anschließende Trauerprozess oft sehr ähnlich dem sein, den jemand durchmacht, der einen nahen Angehörigen verloren hat. Nur dass der, um ein Tier trauernde Mensch NOCH weniger Verständnis und Toleranz zu erwarten hat, als jemand der um einen Menschen weint...

Liebe Besucherin, lieber Besucher, falls du zu den Menschen gehörst, die bisher der Gefühlsbindung von Menschen an ein Tier und/oder deren Trauer nach dessen Tod eher skeptisch und ablehnend gegenüberstanden... dann bitte ich dich, diese Einstellung einmal zu überdenken. Ich erwarte gar nicht, dass du deine Einstellung völlig veränderst und plötzlich selbst zum überzeugten Tierliebhaber werden musst. Natürlich bedeuten Tiere für jeden etwas anderes. Für den einen sind sie nur seelenlose Handelsware, dem anderen sind sie Freund, (Freizeit)Partner und Familienmitglied. Solange niemand anderer dadurch zu Schaden kommt (wenn durch deine Hand Tiere gequält werden, entsteht meines Erachtens aber dem durchaus schmerzempfindlichen und leidfähigen Tier immenser Schaden!) hat JEDER Mensch das Recht, sein Leben so einzurichten, wie er/sie es für richtig hält und wie es sie/ihn glücklich macht.

Toleranz und VerständnisAber das gilt eben auch nicht nur für dich, sondern ebenso für die, die anders denken/fühlen/handeln als du. Vielleicht ist es möglich, einander mit ein klein wenig mehr Toleranz und Verständnis zu begegnen?

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Liebe und Wärme

 


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