Es war einmal eine süße kleine Katze namens Pussy. Sie hatte für eine Katze ein überdurchschnittlich gutes Leben. Sie durfte zwar nicht raus, weil sie in einer Stadtwohnung lebte und Freigang für sie wegen der vielen Autos zu gefährlich gewesen wäre, aber zumindest hatte sie Zugang zu einem vernetzten Balkon, auf dem sie Frischluft tanken und gefahrlos das Geschehen in ihrer Umgebung beobachten konnte. Und vor allem hatte sie, wonach sich so viele andere Tiere verzweifelt sehnen: ein gutes Zuhause und viel Liebe. Sie hatte "Dosenöffner", die ihr regelmäßig gutes Futter gaben, sich viel mit ihr und ihrem geliebten Bruder Mohrle beschäftigten, mit ihnen spielten, tobten und schmusten sooft sie nur konnten. Martina und Ralf liebten ihre Pelznasen wie eigene Kinder. "Richtige" Kinder waren ihnen versagt geblieben, und so schenkten sie all ihre freie Zeit, Aufmerksamkeit und Liebe einander und ihren Tieren. Sie waren eine richtig glückliche kleine Familie.

Aber Pussy und Mohrle wurden älter, und leider haben Katzen eine sehr viel geringere Lebenserwartung als Menschen. Und so kam schließlich der Tag, den ein jeder Tierhalter, der seine Tiere liebt, am meisten fürchtet: der Tag an dem sie die letzte und schlimmste Entscheidung treffen mussten. Pussy war alt und krank geworden und konnte nicht mehr bei ihren Menschen bleiben. Alle waren fürchterlich traurig und konnten und wollten sich ein Leben ohne ihre Pussy gar nicht so richtig vorstellen. Aber um ihr schlimme Schmerzen und einen qualvollen Tod zu ersparen, riefen Martina und Ralf schließlich den Tierarzt in ihre Wohnung, und der erlöste Pussy von ihrem Leid. Ganz friedlich schlief Pussy in den Armen ihrer geliebten Menschen ein.

Pussy war sehr erstaunt, dass es ganz anders war, als ihr es die Menschen erzählt hatten. Es wurde gar nicht dunkel um sie, und sie hörte auch nicht auf zu denken, sehen und zu empfinden. Sie fühlte sich lebendiger als zuvor. In dem Moment, wo ihr der Tierarzt die Spritze gab, schwebe sie aus ihrem alten Körper heraus und sah von außen auf ihre tote Hülle und auf die Menschen im Raum. Sie maunzte und schnurrte ihnen zu soviel sie konnte. Sie versuchte, mit der Pfote an ihren Beinen zu kratzen um sich bemerkbar zu machen.

Sie wollte diesen lieben, traurigen Menschen doch sooo gerne sagen, dass sie gar nicht wirklich tot war, sondern dass es ihr gut gehen und sie sich pudelwohl fühlen würde, jetzt wo sie den trägen, schmerzenden alten Körper endlich hinter sich lassen durfte. Doch Martina und Ralf in ihrem Schmerz und Trauer um den Verlust bemerkten es nicht. Sie glaubten nicht daran, dass der physische Tod nicht das Ende des Lebens, sondern eine Geburt in ein ganz neues Leben sein könnte. Und so konnten sie Pussy in ihrem neuen Lichtkörper weder hören noch sehen, so sehr Pussy sich auch bemühte. Nur Mohrle konnte sie sehen und er freute sich sehr, aber auch er konnte sich den Menschen nicht so mitteilen, dass sie ihn verstanden hätten.

Ein Engel kam zu Pussy und sagte ihr, dass er sie in ihr neues Zuhause bringen würde. Doch sie wollte nicht fort. Sie wollte bei ihrer Familie bleiben, in der Hoffnung ihnen doch noch die Botschaft ihres Weiterlebens vermitteln und so vielleicht ihre Trauer ein wenig mildern zu können. Aber es gelang ihr nicht. Offensichtlich konnten sie sie nicht wahrnehmen. Pussy sah schließlich ein, dass sie im Moment nicht mehr für ihre Leute tun konnte und gab nach ein paar Tagen auf. Sie verabschiedete sich ausführlich von ihrem lieben Bruder Mohrle und ging dann mit dem Engel mit, der geduldig auf sie gewartet hatte.

Sie gingen also die lange, blumengerandete Treppe hin zur Regenbogenbrücke. Nachdem sie so eine Art Nebelvorhang durch schritten hatten, betraten sie eine lichterfüllte, friedliche neue Welt. Wunderbare Blumenwiesen, einige kleine Seen, Wälder und Berge dehnten sich vor ihnen aus. Sie sahen überall Menschen und Tiere. Einige waren wie Pussy gerade angekommen und noch orientierungslos. Andere kannten sich offensichtlich schon aus und spielten miteinander. Viele schienen auch nur da zu stehen, sitzen oder liegen und zu warten. Sie blickten gebannt auf den Nebenvorhang, um nur ja nicht die Ankunft ihres geliebten Angehörigen zu verpassen.

Plötzlich bemerkte Pussy, dass eine andere Katze vor ihr stand und sie freudestrahlend, maunzend und köpfchenreibend willkommen hieß. Es war ihre Mutter Minka, die sie seit ihrer Kätzchenzeit nicht mehr gesehen hatte. Die beiden Katzen freuten sich rasend und ausgiebig begrüßten sie sich.

Schließlich führte Minka ihre Tochter durch das ganze neue Land und zeigte ihr alles. Es war ein riesengroßes, wunderschönes Reich und es gab keine Grenzen, Stacheldrahtzäune oder Mauern, die Bewohner voneinander getrennt hätte, die zusammen sein wollten. Sie kamen durch viele Gebiete. Hier gab es einfach alles. Es gab Wiesen und Wälder, Seen und Flüsse, Berge und Täler, Wüsten und Gletscher. Und es gab sogar Städte. Für jeden sollte es Bereiche geben, wo sie ein neues Zuhause finden konnten, je nach dem welche Bedürfnisse und Gewohnheiten sie aus ihrem Vorleben mitgebracht hatten und was sie brauchten, um sich wohl zu fühlen und sich weiter zu entwickeln.

Tiere, die bereits Menschen im Regenbogenreich hatten, die sich ihrer annehmen konnten, durften in den Wohnbereichen dieser Menschen wohnen, wenn sie es wollten. Alle anderen Tiere, die allein hier waren, zogen in ihre eigenen Bereiche, die Tierzonen. Liebe Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, für die heimatlosen Tiere zu sorgen, kümmerten sich dort um sie. Pussys Mutter Minka ging schließlich, als Pussy sich zurecht finden konnte, zum Vater ihres Frauchens zurück. Sie wohnte bei ihm, bis ihre Menschen zu ihr zurück kämen.

Pussy, die noch niemanden hier kannte, zog währenddessen in ihr neues Zuhause im Tierbereich. In dieser Wartezone traf sie auf viele andere Tiere, die entweder für immer hier bleiben würden oder darauf warteten, dass die mit einem neuen Körper auf die Erde zurück geschickt wurden - oder bis ihre Menschen ins Regenbogenreich kamen und sie wieder zu sich holten.

Bald schon war es an der Zeit, dass Pussy ihren Bruder Mohrle am Nebelvorhang abholen durfte. Manchmal besuchten die beiden Martina und Ralf im Schlaf und sprachen mit deren Seelen, woran sie sich allerdings im Wachzustand dann leider nicht mehr erinnern konnten. Den Rest der Zeit verbrachte Pussy und Mohrle mit den anderen Tieren. Sie spielten und tobten zusammen und fanden viele neue Freunde. Sie waren glücklich und vermissten nichts - bis auf ihre Menschen.

Doch die Zeit verging ihnen wie im Flug. Dort drüben im Regenbogenland gibt es keine Zeit in dem Sinn wie bei uns. Alles geht so schnell oder so langsam, wie die einzelne Seele sich das für sich wünscht. Und so kam sehr bald der Tag, auf den sie so sehnlich gewartet hatten: Martina und Ralf kamen an. Mohrle bemerkte es als erstes. "Puusssssiiiiieeee" rief er ganz aufgeregt. "Komm!!! Schnelllll!!! Lauf was du kannst!!! Mama und Papa sind da!!!!! Endlich haben wir sie wieder!!!!!!!!" Und weg war er.

Pussy, die gerade noch ausgelassen mit dem Hund Struppi gespielt hatte, riss es herum. Fassungslos starrte sie in die Richtung, in die Mohrle geeilt war. Da erblickte sie sie unter den übrigen Neuankömmlingen - verwirrt, desorientiert, und mit suchendem Blick: Martina und Ralf. Außer sich vor Freude rannte nun auch Pussy los, ihrem Bruder hinterdrein, hin zu den Menschen, die sie so sehr liebte.

Die vier Seelen befanden sich im absoluten Freudentaumel, sie küssten sich und hielten einander fest, als wollten sie einander nie mehr loslassen. Sie hatten sich so viel zu erzählen und so viel nachzuholen, was sie all die Jahre vermisst hatten. Als dann schließlich Martina und Ralf in ihrer neuen Welt eingeführt worden waren, zogen alle zusammen in ihr neues Heim, dort drüben im Regenbogenreich. Und da leben sie - ja, nicht bis an ihr Lebensende, denn das gibt es ja nicht. Sie leben dort zusammen und glücklich für immer. Nichts und niemand wird sie je wieder trennen.

 

Bild: links Benji, rechts Foxi Gewidmet in ewiger Liebe
meinem Schmusebärchen Foxi
und meinem Katerle (und Foxis großer Liebe) Benji
die seit dem 05. Mai 2002 bzw. 21. Oktober 1997 im Regenbogenreich auf mich warten...

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